Der Knoten in der Brust

Es ist immer wieder dasselbe: Man denkt sich, mich wird es schon nicht treffen. Regelmäßig abtasten? Ach, das brauche ich doch nicht. Tja, leider selber doof. Ich bin ehrlich: Ich habe den Knoten in der Brust durch Zufall beim Duschen entdeckt und mir beim ersten Mal auch nichts schlimmes dabei gedacht. Warum auch? Ich war 31 und (gefühlt) in der Blüte meines Lebens. Blaue Flecken, Schrammen und/oder Verhärtungen habe ich ständig – entweder vom Sport oder weil ich mal wieder unbedacht gegen eine Tischkante o.ä. gelaufen bin. Außerdem kannte ich bis dahin keine einzige Freundin oder Bekannte, die an Brustkrebs erkrankt war. Das Thema war ganz weit weg.

Und plötzlich so nah. Als ich über Weihnachten und Silvester mal zur Ruhe kam, ist mir aufgefallen, dass die Stelle immer noch da war. So langsam war ich beunruhigt und beobachtete alles sorgfältig. Gleich im neuen Jahr habe ich dann bei meinem Frauenarzt angerufen und nach einem Termin gefragt. Den habe ich auch sofort bekommen und war zwei Tage später zur Untersuchung in der Praxis. Das lief wirklich ohne Probleme – ein Hoch auf unser Gesundheitssystem. (Soviel Zeit muss sein: Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob wir es alle immer schätzen, in was für einem tollen Land wir doch aufwachsen dürfen.)

Früherkennung: der Knoten in der Brust

Warum führe ich das hier so aus? Weil es so verdammt wichtig ist, den Tumor frühzeitig zu erkennen und mit der Behandlung loszulegen! Umso früher man dran ist, umso besser sind die Chancen für die Therapie. Man erspart sich also in der Tat schlicht eine Menge Leid und Elend. Krebs ist nicht umsonst ein Geschwür. Man merkt es oft erst, wenn bereits die Organfunktionen o.ä. beeinträchtigt sind. Ich bin daher sehr dankbar, dass ich Brustkrebs habe, den ich selbst ertasten konnte. Und will mir nicht ausmalen, wie es wäre, wenn er an einer anderen Stelle angegriffen hätte.

Auf zum Frauenarzt

Ich erinnere mich noch als wäre es gestern. In der Mittagspause bin ich schnell zum Check gefahren. Ab diesem Zeitpunkt änderte sich alles. Ja, ich begann mich verrückt zu machen. Es ging mir natürlich alles mögliche durch den Kopf. Ganz wichtig: Nicht anfangen zu googlen! Das macht es nämlich nur schlimmer und man wird schier wahnsinnig. (Mehr dazu in einem späteren Beitrag. Das Verbot gilt nämlich für die gesamte Behandlungszeit.)

Nachdem ich aufgerufen wurde, beruhigte mich meine Frauenärztin erst einmal. In den allermeisten Fällen ist eine selbstertastete Stelle nämlich „nur“ eine Zyste oder ein gutartiger Knoten. Bei ihr in der Praxis sind das um die 90 Prozent. Trotzdem betonte sie, die Bedeutung, dass man sich schnell meldet wenn man etwas bemerkt hat.

Ultraschalluntersuchung

Nachdem sie den Knoten ebenfalls spüren konnte, legten wir direkt mit der Ultraschalluntersuchung los. Das Ergebnis war nicht eindeutig, aber es gab durchaus Anlass zur Sorge. Wie ich mittlerweile gelernt habe, hat ein gutartiger Knoten auf dem Ultraschallbild zumeist einen strichartigen, glatten Rand – also wie eine mit dem Stift gezogenen Linie. Bösartiger Brustkrebs dagegen fasert am Rand eher aus und hat keine klar erkennbare Linie als Abgrenzung. Bei mir war eher letzteres der Fall, aber es war nicht eindeutig. Ich blieb ruhig. Zu dem Zeitpunkt war ich mir sicher, dass irgendetwas nicht stimmt.

Auf Basis der Untersuchungsergebnisse unterhielten wir uns noch eine ganze Weile und es folgte die Überweisung in eine Fachklinik zur Mammographie und Gewebeprobe. Auch hier hatte ich großes Glück. Meine Ärztin hat mir diverse Adressen genannt und wir haben uns auch über die verschiedenen Kliniken in der näheren Umgebung ausgetauscht. Das ist durchaus wichtig, denn im Normalfall schließt man seine weitere Behandlung dann auch direkt dort an. Zeit ist nämlich kostbar. Und dieses Mal ist es nicht nur eine Floskel, sondern es geht ums Überleben. Meine Frauenärztin hat mir letztlich die Frauenklinik in Böblingen bei Stuttgart empfohlen. Die liegt für mich fahrtechnisch ideal und sie hat dort früher selber einmal gearbeitet. Bis heute fühle ich mich dort wirklich gut aufgehoben. Es ist so wichtig, dass die Chemie stimmt (blödes Wortspiel) und dass man seinen behandelnden Ärzten vertraut. Ja, ich fühle mich wahrlich in guten Händen.

Wenn dein Körper dir Signale sendet

Irgendwie hatte ich stets das Gefühl, mein Körper flüsterte mir zu: Anja, ich brauche Hilfe. Klingt pseudo-romantisch, aber so war es. Irgendwie wusste ich damals kurz nach Weihnachten sofort, das etwas nicht stimmt, aber das „wir“ das packen können, wenn ich jetzt handle. Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Diese Stimme beruhigte mich und trieb mich an, etwas zu unternehmen. Für alle, die mich nicht kennen: Ich mache zwar regelmäßig alle notwendigen Vorsorgeuntersuchungen, Zahnreinigungen und Co, aber bin sonst so gut wie nie beim Arzt. Außer es hat mich wirklich umgehauen und ich benötige eine Krankmeldung. Ich bin wahrlich nicht zimperlich. Umso erstaunlicher, dass ich dieses Mal direkt zum Arzt gehuscht bin.

Anja
Hi, ich bin Anja und habe dieses Blog im Februar 2017 ins Leben gerufen. Die Idee entstand direkt nach der Diagnose des Brustkrebs‘. Also legte ich los. Die Leidenschaft zur Kommunikation wurde mir in die Wiege gelegt und ist seither nicht erloschen. Ich liebe es, meine Gedanken in Wörter zu packen oder sie mit meiner Fotobüchse visuell einzufangen. Damit höre ich jetzt nicht auf – gerade jetzt nicht.

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